Drucken
                                                                           Allgemeines

Unter einer Tonleiter versteht man eine Reihe von Tönen, welche innerhalb einer Oktave geordnet sind, und das Grundmaterial eines Stückes bzw. einer Komposition darstellen. Im Laufe der historischen Entwicklung haben sich bevorzugte Tonfolgen herausgebildet, denen wir das Gehörte zuordnen können. Wir kennzeichnen diese spezifische Eigenschaft, das Beziehen des melodischen Geschehens auf einen Grund- oder Zentralton, mit dem Begriff Tonalität.



Der Tetrachordaufbau

Die Abstände der aufeinanderfolgenden Tonleitertöne bestehen aus:

  • Halbtonschritt (kleine Sekunde), Sigel:   
  • Ganztonschritt (große Sekunde), Sigel:    
  • Eineinhalbtonschrit (übermäßige Sekunde), Sigel:   

 

Die siebenstufigen (heptatonischen) Tonleitern lassen sich in zwei Viertongruppen, in Tetrachorde unterteilen. Während die beiden äußeren Töne unverändert bleiben (Rahmenintervall: reine Quarte), weichen die Andordnung der 2 inneren Töne ab. Zwischen c und f sind folgende Tetrachorde gebräuchlich:


Für die Melodiegestaltung und den harmonischen Ablauf in größeren Zusammenhängen bekommen die sich aus den 3 Schrittmöglichkeiten ergebenden Spannungsverhältnisse Bedeutung:

  • der Halbtonschritt drängt zur Weiterführung
  • der Ganztonschritt lässt den Fortgang offen, verhält sich neutral
  • der Eineinhalbtonschritt hemmt, will sich in die Rahmentöne auflösen

Die Pfeile im oberen Notenbeispiel verdeutlichen diese Tendenzen.


[nach oben]                                                          Die Durtonleiter

Die Folge der Stammtöne von c1 bis c2 bildet die Durtonleiter. Da diese Leiter mit dem Ton c beginnt und endet, d.h. der Grundton c ist, wird sie als C-Dur-Tonleiter bezeichnet. Ein wesentliches Merkmal im Bau dieser Tonleiter zeigt sich in der gleichartigen Struktur der beiden Tetrachorde.




Das Durtetrachord setzt sich aus Ganzton-, Ganzton-,  Halbtonschritt zusammen. Beide Vierteltonreihen sind durch einen  Ganztonschritt verbunden. Präge dir die Anordnung der Halbtonschritte ein!


Singen wir die C-Dur-Tonleiter aufwärts bis zur 7.Stufe, dem Ton h, so Empfinden wir die Notwendigkeit der Weiterführung zur 8. Stufe, dem oktavierten Grund- bzw. Ausgangston. Die 7. Stufe "leitet" zur 8. Stufe weiter, sie fordert Auflösung. Aus dieser Erscheinung leitet sich die Bezeichnung Leitton ab.

Merke: Der Leitton liegt einen Halbtonschritt (eine kleine Sekunde) unter dem Zielton (Grundton).


Auch der andere Halbtonschritt der Durtonleiter (von der 3. zur 4. Stufe) drängt zur Weiterführung: Er wirkt leittönig vom e zum f, in bestimmtem Zusammenhang aber auch umgekehrt vom f zum e. In diesem Fall wird die 4. Stufe als Gleitton bezeichnet.



In ihrem funktionalen Zusammenhang unterscheiden sich die beiden gleichgebauten Tetrachorde der Durtonleiter:

  • die 1. Viertongruppe: festigt durch den abwärts führenden Gleitton die Terz (= 3. Stufe)
  • die 2. Viertongruppe: drängt durch den aufwärts strebenden Leitton zum Grundton (= 8. Stufe)



Unter Beachtung der Folge von Ganz- und Halbtonschritten kann über jeden Ton eine Durtonleiter gebildet werden. Durch Transposition  der C-Dur-Tonleiter erhalten wir alle weiteren Durtonleitern.



[nach oben]                                                   Die Durtonleitern mit Kreuz-Vorzeichnung
 
Das 2. Tetrachord der C-Dur-Tonleiter wird durch Anfügen einer Viertonreihe mit leitereigenen (zur Tonleiter gehörenden) Tönen zum Ausgangsmaterial einer neuen Durtonleiter.


Da die Schrittfolge der nachfolgenden Töne von der des Durtetrachords abweicht, muß der Aufbau verändert werden, um zu einer neuen Durtonleiter zu gelangen. Die Viertonreihe d e f g erhält durch Erhöhung der 7. Stufe der neuen Leiter (f zu fis) Durcharakter. Der Ausgangston ist nunmehr g, also lautet die Bezeichnung : G-Dur-Tonleiter.


 

Die Wiederholung dieses Vorgangs von der G-Dur-Tonleiter aus führt zur D-Dur-Tonleiter.


Die 5. Stufe der "alten" Tonleiter wird zur 1. Stufe der "neuen" Tonleiter. Die Grundtöne beider Leitern stehen also im Intervallabstand einer Quinte. Hieraus ergeben sich, von C ausgehenden, die G-, D-, A-, E-, H- und Fis-Dur-Tonleitern. Jede dieser Tonleitern bekommt durch die erhöhte 7. Stufe ein zusätzliches Kreuz.



[nach oben]                                         Die Durtonleitern mit B-Vorzeichnung

Dem 1. Tetrachord der C-Dur-Tonleiter wird eine neue Viertonreihe aus leitereigenen Tönen vorangestellt.



Auch hier weicht die Schrittfolge der vorangestellten Töne von der des Durtetrachords ab. Die Viertonreihe f g a h erhält durch die Erniedrigung der 4. Stufe der neuen Leiter (h zu b) Dur-Charakter. Ausgangston nunmehr f, also: F-Dur-Tonleiter.




Der beschriebene Vorgang, angewendet auf die F-Dur-Tonleiter, führt uns zur B-Dur-Tonleiter, vorausgesetzt die Erniedrigung der 4. Stufe der neuen Leiter.




Die 1. Stufe der "alten" Tonleiter wird zu 5. Stufe der "neuen", auch hier liegt ein Quintenabstand der Grundtöne vor. In Weiterführung dieses Prinzips folgen, von C ausgehend, die F-, B-, Es-, As-, Des- und Ges-Dur-Tonleitern, jeweils mit einem weiteren Be versehen, das aus der erniedrigten 4. Stufe resultiert.


[nach oben]                                                      Durtonleiter-Übersicht




[nach oben]                                            Der Quintenzirkel, die Quintenspirale

Die Entwicklung der Durtonleitern mit - und -Vorzeichnung ließ den Quintenabstand der Grundtöne erkennen.

 


Da (temperierte Stimmung vorausgesetzt) fis un ges enharmonisch verwechselt werden können, ist auch die Umdeutung von Fis-Dur und Ges-Dur möglich. Diese Tatsache erlaubt es, die Durtonleitern aus methodischen Gründen auf einen Kreis, dem Quintenzirkel, anzuordnen.



Legt man diese Betrachtung reine Stimmung zugrunde, dann differieren fis und ges. Der Quintenzirkel muß dann in Form eine Quintenspirale dargestellt werden.


 


[nach oben]                                                      Die reine Molltonleiter

Die Folge der Stammtöne a h c d e f g a bildet die reine Molltonleiter, auch natürliche Molltonleiter genannt. Von der Durtonleiter unterscheidet sie sich durch die Anordnung der Halbtonschritte von der 2. zur 3. Und von der 5. zur 6. Stufe. Im Gegensatz zur Durtonleiter sind die beiden Tetrachorde der Molltonleiter voneinander abweichend gebaut.



 
Die Entwicklung der Molltonleitern mit - und -Vorzeichnung erfolgt analog dem der Durtonleitern
.



 

[nach oben]                                               Die harmonische Molltonleiter

Durch Erhöhung der 7. Stufe  der reinen Molltonleiter erhalten wir einen künstlichen Leitton, der für die Kadenzierung von großer Bedeutung ist. Deshalb trägt diese Leiter den Namen harmonische Molltonleiter.




Die Erhöhung der 7. Stufe zieht einen Eineinhalbtonschritt von der 6. zur 7. Stufe nach sich. Dieser unsangliche Tonschritt (übermäßige Sekunde) teilt die Leiter, so dass in der Praxis häufig die folgende Melodieführung verwendet wird.

 

  Nach dem Aufstieg bis zur 6. Stufe fällt die Melodielinie und führt über den oktavversetzten Leitton zum Grundton. 



[nach oben]                                                  Die melodische Molltonleiter

Die melodische Molltonleiter bildete sich im 18. Jahrhundert als eine dritte Form der Molltonleiter heraus. Durch zusätzliche Erhöhung der 6. Stufe wird der Eineinhalbtonschritt der harmonischen Tonleiter im 2. Tetrachord vermieden.



Durch die Veränderung erhält der 2. Tetrachord Dur-Charakter. Die durch die erhöhte 6. Und 7. Stufe gegebene, zur 8. Stufe (dem oktavierten Grundton) drängende Spannung entfällt bei der Abwärtsbewegung. Somit wird die melodische Molltonleiter abwärts meist ohne Versetzung, als reine Molltonleiter gespielt und gesungen.





                                              Zusammenfassung und übersicht zu den Molltonleitern

  • Das 1. Tetrachord bleibt bei allen drei Formen der Molltonleiter unverändert.
  • Der 1. Tetrachord enthält das für Moll charakteristische Intervall der kleinen Terz
  • Veränderungen erfährt nur der 2. Tetrachord:



Die Molltonalität ist, oft sogar innerhalb einer Komposition, sowohl mit als auch ohne erhöhte 6. und 7. Stufe anzutreffen. Zusammenfassend kann der Tonvorrat der Molltonleiter wie folgt angegeben werden:



Beachte: Die für die harmonische und melodische Molltonleiter notwendigen Versetzungszeichen stehen stets vor der Note und haben keinen Einfluß auf die eingangs der Zeile vermerkte Vorzeichnung, die immer der reinen Molltonleiter entspricht.

      Übersicht:


 


[nach oben]                                             Paralleltonart/Varianttonart

Die Stammtonreihe in der Folge c1 bis c2 ergibt die Durtonleiter, die Folge a bis a1 die Molltonleiter. Beide Leitern laufen also mit einem Abstand von drei Halbtonschritten (= kleine Terz) parallel zueinander.

 
                                                    

Parallele Dur- und Molltonleitern haben gleiche Vorzeichnung!

Übersicht:

                                                    C-Dur / a-Moll

                                                    G-Dur / e-Moll 1                                    F-Dur / d-Moll 1

                                                    D-Dur / h-Moll 2                                    B-Dur / g-Moll 2

                                                    A-Dur / fis-Moll 3                                   Es-Dur / c-Moll 3

                                                    E-Dur / cis-Moll 4                                  As-Dur / f-Moll 4

                                                    H-Dur / gis-Moll 5                                 Des-Dur / b-Moll 5

                                                    Fis-Dur / dis-Moll 6                               Ges-Dur / es-Moll 6

 

Dur- Moll-Quintezirkel:

                                                             

 
Das Bestimmen der Vorzeichnung:

                                                    Paralleltonart zu einer Durtonleiter = kleine Terz abwärts

                                                    Paralleltonart zu einer Molltonleiter = kleine Terz aufwärts

Dur- und Molltonleiter mit gleichem Grundton nennt man Varianttonart, auch gleichnamige Tonart. Sie variieren in der 3. Stufe (Dur = große Terz, Moll = kleine Terz).

Variante Dur- und Molltonarten differieren um 3 Vorzeichen.




[nach oben]                                                 Die chromatische Tonleiter

Die Teilung der Oktave in zwölf temperierte gleich große Halbtonschritte führt zur chromatischen Tonleiter. Die Töne sind jedoch nicht gleichberechtigt, sondern in sieben Hauptstufen und fünf Nebenstufen untergliedert. Die Hauptstufen entsprechen den leitereigenen Tönen der diatonischen Dur- bzw. Molltonleiter, die Nebenstufen (leiterfremde Töne) ordnen sich leittönig zwischen den Ganztonschritten ein. Grundlage der chromatischen Tonleiter bildet also in tonaler Musik eine siebenstufige Leiter.



Die Hauptstufen der Grundtonart bleiben im Notenbild unverändert. Nebenstufen werden in Aufwärtsbewegung wie Leittöne
(
bzw. ) behandelt, in Abwärtsbewegung wie Gleittöne ( bzw. ).

Chromatische Tonleiter auf E-Dur-Grundlage:



Chromatische Tonleiter auf Es-Dur-Grundlage:




[nach oben]                                                                  Die pentatonische Tonleiter

Die historisch älteste Skala setzt sich aus fünf Tonstufen zusammen und wird deshalb pentatonische Tonreihe genannt. Eine Möglichkeit pentatonischen Musizierens stellt das Spielen nur auf den schwarzen Tasten der Klaviatur dar.



Die pentatonische Tonleiter lässt sich aus der Quintfolge ableiten:



 

Durch Umstellung dieser Töne ergeben sich weitere pentatonische Reihen, die beliebig transponierbar sind.

Aus den unterlegten Solmisationssilben ergibt sich die Benennung:

Do-Pentatonik

 

Re-Pentatonik 

                                                                        
                                                

Mi-Pentatonik  

 
                           

So-Pentatonik  

 
                          

  La-Pentatonik

  
                         


Die Ganztonleiter

Die Ganztonleiter beruht (in der temperierten Stimmung) auf der Teilung der Oktave in sechs gleich große Ganztonschritte. Da der Leiter der Leitton und die reine Quinte fehlen, tritt die Halboktave (übermäßige Quarte / verminderte Quinte) als charakterisches Intervall auf.



Aufgrund ihrer Struktur kann die Ganztonleiter nur einmal transponiert werden. Enharmonische Umdeutungen sind möglich.




[nach oben]                                                               Folkloristische Bezugsreihen

In der Folklore andere Länder finden sich mannigfaltige Bezugsreihen, die zum Teil befruchtend auf unsere Miusikpraxis einwirken. Erwähnenswert sind hier z.B. sie auf dem Balkan, aber auch in anderen Regionen anzutreffenden Leitern mit zwei Eineinhalbtonschritten, umganganssprachlich (inhaltlich nicht zutreffend) als Zigeuner-Dur und Zigeuner-Moll bezeichnet:

                                                                                               Zigeuner-Dur:


                    

                                                                                               Zigeuner-Moll:                                         


 


[nach oben]                                                                           Die Modie

Die Grundlage der mittelalterlichen Musikpraxis bilden die Modi , auch Kirchentöne genannt. Es sind Tonarten, die jede eine eigene Tonalität bilden und sich nach und nach aus Melodiefloskeln der Gregorianischen Choräle und der Volksmusik ergaben. Um 850 wurden sie erstmals in einer theoretischen Schrift erwähnt.

Die Modi ordnen den Oktavraum in Ganz- und Halbtonschritte. Der Schlußton trägt die Bezeichnung Finalis. Je nach Lage des Schlußtons unterscheidet man authentisch und plagal. Während der Tonraum des authentischen Modus mit der Finalis beginnt, bestimmt der plagale Modus den einer Quarte tiefer gelegenen Oktavraum. Er erhält die Vorsilbe Hypo (griech. = unten). Neben der Finalis gibt es in den Melodie (Psalmen) einen weiteren wichtigen Ton, den Rezitations- oder Reperkussionston (auch Tenor, Tuba, später Dominante).


Jeder Modus hat, analog zur Dur- und Molltonleiter, zwölf Tonarten (z.B. c-Dorisch, d-Dorisch, es-Dorisch, usw.).