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Allgemeines

Intervalle bezeichnen den Abstand zwischen zwei Tönen. Werden drei oder mehr Töne unterschiedlicher Tonhöhe im Zusammenklang gebracht, so wird dies klangliche Ereignis als Akkord bezeichnet. Dabei ist, der traditionellen Harmonielehre folgend, der Akkord nicht eine zufällige Schichtung von Intervallen, sondern ein nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten geformtes Gebilde, das in seiner Grundgestallt vom Terzenaufbau bestimmt ist. In der zeitgenössische Musik wurde der Akkordbegriff erweitert: Zusatztöne, Quartenklänge, Klangbilder aus dem linearen Verlaufs heraus, Cluster u.a. sind zu erklären.

Der Begriff Harmonie umfasst jedes räumliche Miteinander von Tönen, die Ordnung der Zusammenklänge. Gegenstand der Harmonielehre ist neben dem Aufbau der Akkorde insbesondere die Verbindung der Klänge zu musikalisch logischen Folgen.



Die Dreiklänge und ihre Umkehrungen


Ein Dreiklang besteht aus 2 übereinander gefügten Terzen:

  • aus Grundton (unterer Ton)
  • Terz (mittlerer Ton)
  • Quinte (oberer Ton)

merke: 1-3-5. Als elementarer Akkord erscheint er (in Gestallt des Durdreiklangs) im Schwingungszahlen-Verhältnis 4:5:6 in der Obertonreihe.


Von grundlegender Bedeutung ist Dur- und Molldreiklang. Bei den Akkorden ist der Rahmenintervall (die beiden äußeren Töne) der reinen Quinte gemeinsam. Ihr Unterschied liegt in der Anordnung der Terzen. Der Akkordaufbau und die Benennung erfolgt von "unten" (vom Basston aus) nach "oben":
  • Durdreiklang (D) – große Terz / kleine Terz
  • Molldreiklang (M) – kleine Terz / große Terz
Merke: Dur - große Terz, Moll - kleine Terz!



Weitere Dreiklangtypen ergeben sich durch die Veränderung des Rahmenintervalls, wenn also die Quinte übermäßig oder vermindert wird:

  • Übermäßiger Dreiklang (ü) – große Terz / große Terz
  • Verminderter Dreiklang (v) – kleine Terz / Terz

Während der Dur- und Molldreiklang als Konsonanzen behandelt werden, zählen der übermäßige und der verminderte Dreiklang zu den Dissonanzen.



Sonderformen des Dreiklangs mit verminderter Quinte in speziellem harmonischem Zusammenhang:

  • Hartverminderter Dreiklang (hv) - große Terz / verminderte Terz
  • Doppeltverminderter Dreiklang (dv) - verminderte Terz / große Terz

 

Die Dreiklänge treten jedoch nicht nur in der beschriebenen Intervallanordnung, der Grundstellung (Quintakkord), auf, sondern auch in Umkehrungen oder Umstellungen. Diese entstehen, wenn statt des Grundtons die Terz oder die Quinte als Baßton erscheint, oder anders gesagt: wenn der untere ( = 1. Umkehrung) und mittlere Ton ( = 2. Umkehrung) eine Oktave höher versetzt werden.



Betrachten wir den veränderten Intervallaufbau, bezogen auf den jeweiligen Basston:

  • 1. Umkehrung - Prime / Terz / Sexte (Basston = Dreiklangsterz)
  • 2. Umkehrung - Prime / Quarte / Sexte(Basston = Dreiklangsquinte)

Die gekennzeichneten Abweichungen von der Grundstellung (G) des Dreiklangs (Prime / Terz / Quinte) führen zur Benennung der Umkehrungen:

  • 1. Umkehrung - Sexakkord (6)
  • 2. Umkehrung  - Quartesexakkord (6/4)

Beachte: Der übermäßige Dreiklang klingt in Grundstellung sowie Umkehrung gleich.


In der Grundstellung befindet sich der Grundton unten, bei Umkehrungen oberhalb der "Lücke" (oberer Ton des Quartintervalls).




[nach oben]                                       Die leitereigenen Dreiklänge in Dur und Moll

Werden über der Durtonleiter und den drei Formen der Molltonleiter leitereigene Dreiklänge gebildet, so ergibt sich das folgende Ergebnis:



Zusammenfassend finden sich die leitereigenen Dreiklänge in den folgenden Stufen:

 

 Dur

 Reines Moll

 Harmonisches Moll

 Melodisches Moll

 Durdreiklang

 1, 4, 5

 3, 6, 7

 5, 6

 4, 5

 Molldreiklang

 2, 3, 6

 1, 4, 5

 1, 4

 1, 2

 Verminderter Dreiklang

 7

 2

 2, 7

 6, 7

 Übermäßiger Dreiklang

  -

  -

 3

 3

 
Der Durdreiklang c-e-g ist also in folgenden Tonarten anzutreffen:



Der Molldreiklang a-c-e ist leitereigen in:



 

[nach oben]                                             Die Hauptdreiklänge, die Kadenz

Die Akkorde der 1., 4. und 5. Stufe einer Dur- oder Molltonleiter werden als Hauptdreiklänge bezeichnet. Sowohl die Grundtöne dieser Stufen als auch die darüber gebildeten Dreiklänge nennt man:

  • 1. Stufe - Tonika (T, t)

  • 4. Stufe - Subdominante (S, s)

  • 5. Stufe - Dominante (D,d)

Merke: Zur Abkürzung werden in der Funktionsschrift für Durklänge Großbuchstaben, für Mollklänge Kleinbuchstaben verwendet.


Werden die Hauptdreiklänge miteinander verbunden, so wird das als einfache Kadenz (Grundkadenz) bezeichnet. Sie ist durch das harmonische Gefälle, durch Spannung und Entspannung charakterisiert. Die Hauptdreiklänge stehen untereinander in funktionalem Verhältnis.

Unter Kadenz verstand man ursprünglich eine Schlussbildung und Tonartbestätigung. Jedoch von etwa 1600 bis 1900, zum Teil bis in die Gegenwart hinein, bildet die Kadenz die bestimmende harmonische Grundlage des Musizierens.


Die Kadenzfunktionen in Dur und Moll:

  • Dur – T S D T

  • reines Moll – t s d t

  • harmonisches Moll – t s D t

  • melodisches Moll – t S D t

In Moll wird die Kadenz der harmonischen Molltonleiter bevorzugt, weil sie als Dominante einen (durch die Erhöhung der 7. Stufe hervorgerufen) Durdreiklang mit dem Leitton hat (daher auch der Name harmonisches Moll). Kaum gebräuchlich ist die Kadenz der melodischen Moll-Tonleiter.

 Das Zentrum des harmonischen Geschehens bildet die Tonika. Sie wird vom Oberdominant- und dem Unterdominantbereich umgeben. Dies wird als Tonikalität bezeichnet. Die Dominante steht eine Quinte über der Tonika, die Subdominante eine Quinte unter der Tonika.

Dominante und Subdominante stimmen mit der Tonika jeweils in einem Ton überein:


 

 

  • Grundton der Tonika = Quinte der Subdominante

  • Quinte der Tonika =  Grundton der Dominante


Sie stehen also in einer engen Beziehung zu einander. Dies Verhältnis wird als Quintenverwandtschaft bezeichnet.

In der Tonleiter sind alle Töne der Hauptdreiklänge enthalten:



Die Dur-/Molltonalität ergibt sich also aus der Bindung von Melodie und Harmonie an die Tonleiter, bezogen auf den Grundton (Tonika).

Im harmonischen Abschluss eines Musikstücks werden mehrere Schlussarten unterschieden:

  • authentischer Ganzschluss: D – T

  • plagaler Ganzschluss: S – T

  • Halbschluss: T - D, S – D

  • Trugschluss: wichtigste in Dur (T- S- D -Tp), in Moll (t- s- D- tG)


                

[nach oben]                              Die Verbindung der Hauptdreiklänge im vierstimmigen Satz

Bei einem vierstimmigen Instrumental- oder Vokalsatz bezeichnet man die vier Stimmen (von der höchsten zur tiefsten) als:

1. Sopran


2. Alt

3. Tenor

4. Bass

Sopran und Bass bezeichnet man als Außenstimmen, Alt und Tenor als Mittelstimmen.

Soll nun ein Dreiklang vierstimmig geschrieben werden, so muss man einen Ton verdoppeln, da man ja nur 3 verschiedene Töne zu Verfügung hat. Im Regelfall verdoppelt man immer den Grundton.

Der erste Dreiklang in einem vierstimmigen Satz kann in 3 verschiedenen Arten geschrieben werden, je nach dem ob man seine Grundstellung oder eine seiner 2 Umkehrungen in den oberen Stimmen schreibt. Diese verschiedenen Möglichkeiten werden als "Lage" bezeichnet, und zwar Quintlage (5), Oktavlage (8) und Terzlage (3), je nachdem ob die Quint, die Terz oder die Oktav des Grundtones in der obersten Stimme ist.


Wenn man nun mehrere Dreiklänge hintereinander schreibt, so gibt es bestimmte Regeln, nach denen man sich richten sollte, um einen gut spiel- bzw. singbaren Satz zu erhalten.

Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene Arten der Stimmenbewegung:

1. Gerade Bewegung: zwei Stimmen bewegen sich zur selben Zeit in dieselbe Richtung.



2. Gegenbewegung: zwei Stimmen bewegen sich aufeinander zu oder voneinander fort.


3. Seitenbewegung: eine Stimme bleibt liegen, während sich die andere bewegt.


Bei der geraden Bewegung gibt es einen Sonderfall, bei der zwei Stimmen sich zur gleichen Zeit in gleichem Abstand in dieselbe Richtung bewegen. Man spricht in diesem Falle von Parallelenbewegung.



Bei der Parallelbewegung sind im vierstimmigen Satz grundsätzlich die Quintenparallelen, Oktavparallelen, aber auch die Einklangparallelen zu vermeiden.


           


Aus den vorherigen Regeln ergeben sich folgende Verbindungen der 3 Hauptdreiklänge (gemeinsame Ton bleibt liegen):




Größere Farbigkeit, vor allem in der Bassführung, erreicht man, wenn die Funktionen gelegentlich auch in ihren Umkehrungen, also mit Terz- oder Quintbass, auftreten.

 

[nach oben]                                      Die Septimen- Nonen- und Sextenakkorde

Baut man nicht zwei sondern drei Terzen übereinander auf, so bekommt man einen Septakkord. Dieser Akkord wird deshalb so genannt, weil er aus einer Terz, einer Quint und einer Septbesteht. Großer, kleiner und verminderter Septakkord werden unterschieden:


Die Septakkorde der Dur-Tonleiter:



Die Septakkorde der Moll-Tonleiter:


Der am häufigsten verwendete Septakkord ist der Dominantseptakkord. Dieser kommt auf der V. Stufe (Dominante) einer Durtonleiter vor und besteht aus einem Durdreiklang mit kleiner Septime.

Auch dieser Akkord kann umgekehrt werden und es ergeben sich folgende Umkehrungen:



Eine weitere dominantische Akkordbildung ist der Dominantseptnonenakkord, kurz: Nonenakkord, ein Dominantseptakkord mit zusätzlicher Terz. Großer und kleiner Nonenakkorde werden unterschieden:


Dem Dur- und Molldreiklang kann auch die große Sexte hinzugefügt werden. Häufig taucht dieser Akkord, den man als Sextenakkord bezeichnen kann, in Subdominantfunktion auf.


In der Musik sind Akkorderweiterungen mit Sexten in allen Funktionen gebräuchlich ( in der Akkord-Symbolschrift nur durch eine hochgestellte 6 angegeben.)

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